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Wer bei Mentoring spart, zahlt später drauf. Folgekostenabschätzung zu „Menschen stärken Menschen“

1. Oktober 2026

Jeder gesparte Euro Förderung für Kinder und Jugendliche kostet die Gesellschaft langfristig das Vier- bis Achtfache.

Berlin, 1. Oktober 2026. Das Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“ soll im Haushalt 2027 auslaufen. Für das bislang mit jährlich 18 Millionen Euro ausgestattete Programm sind nur noch Mittel für
die Abwicklung vorgesehen.

Dabei zeigt eine neue Folgekostenabschätzung des Bundesverbands soziales Mentoring, was mit dieser Entscheidung auf dem Spiel steht: Rund 5,7 Millionen Euro der bisherigen Förderung fließen in Mentoring-
und Patenschaftsangebote für Kinder und Jugendliche. Diesem Betrag steht ein langfristiger gesellschaftlicher Nutzen von 22,5 bis 44,1 Millionen Euro jährlich gegenüber.

„Wer hier spart, spart nur kurzfristig“, sagt Laura Reiter, Geschäftsführerin des Bundesverbands soziales Mentoring. „Die Kosten verschwinden nicht. Sie werden in die Zukunft verschoben – zulasten von Bildungschancen, gesellschaftlicher Teilhabe und am Ende auch der öffentlichen Haushalte.“

Das steht im deutlichen Kontrast zu den politischen Zielen der Bundesregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte in der Generaldebatte zum Haushalt 2027, das „Wohlstandsversprechen“ für die junge Generation erneuern zu wollen. Bundesbildungsministerin Karin Prien fordert Aufstiegschancen unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund und betont die Notwendigkeit verlässlicher, langfristiger Bildungspolitik.

Mentoring zahlt genau darauf ein. Es verbessert Bildungs- und Ausbildungschancen und stärkt junge Menschen in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung. Langfristig entstehen daraus auch wirtschaftliche Effekte: höhere Einkommen und Steuereinnahmen sowie geringere Sozial- und Gesundheitsausgaben. Hinzu kommen zusätzlich mobilisiertes Engagement, positive Effekte auf ehrenamtliche Mentor:innen und letztlich der zivilgesellschaftliche Arbeitsmarkt.

Auch in den laufenden Haushaltsberatungen wird immer wieder betont, dass Bundesprogramme ihre Wirkung nachweisen müssen. Für soziales Mentoring liegt diese Evidenz vor.

„Politische Prioritäten zeigen sich nicht darin, was wir uns vornehmen, sondern darin, was wir finanzieren“, so Reiter. „Wer bessere Chancen für junge Menschen will und Wirkung zum Maßstab macht, kann bei sozialem Mentoring nicht den Rotstift ansetzen.“

Der Bundesverband soziales Mentoring fordert deshalb, die Entscheidung in den laufenden Haushaltsberatungen zu korrigieren und „Menschen stärken Menschen“ 2027 wieder mit Mitteln für die tatsächliche Förderung von Mentoringstrukturen auszustatten. Sollte das Programm nicht fortgeführt werden, braucht es eine verbindliche Anschlussförderung mit eigenem Budget und Förderbedingungen, die Mentoring und Patenschaften tatsächlich ermöglichen.

Die Folgekostenabschätzung wurde von Value for Good im Auftrag von Eleven und des Bundesverbands soziales Mentoring erarbeitet. Die Mitarbeit des Bundesverbands wurde durch eine Projektförderung der Bertelsmann Stiftung ermöglicht.